Was tut ein „guter Christ“?

Liebe Gemeinde!

Was tut ein „guter Christ“? Er geht sonntags in die Kirche, zahlt Kirchgeld und ist nett zu allen Leuten.

Das mag vielleicht eine Vorstellung sein. Aber das reicht nicht.

Ein Christ ist nicht nur am Sonntag aktiv. Auch im Alltag, im Beruf, Familie oder der Nachbarschaft ist der aktive Glaube gefragt. Und der gehört nicht nur hinter die dicken Kirchenmauern, sondern hinein in unsere Gesellschaft, in die Städte und Dörfer.

Viele Christen haben erkannt, dass wir uns einbringen dürfen zum Wohl unserer Dörfer und Gemeinden. Jeremia schreibt, dass wir für sie beten sollen. Das ist auch eine Aufgabe, für die Verantwortlichen in der Regierung, in der Kirchenleitung und Bürgermeister zu beten. Das tun wir regelmäßig in unseren Gebetskreisen und Gottesdiensten.

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN;
denn wenn’s ihr wohl geht so geht’s euch auch wohl.“, Jeremiah 29,7

Aber nicht allein das, wir können uns außerdem mit unseren Gaben und Möglichkeiten einbringen. Kirche ist, auch bei weniger werdenden Kräften, ein Ort der Heimat. Und hoffentlich auch ein Ort der Hoffnung, ein Ort, wo wir uns begegnen und untereinander stärken können.

Gerade wurden und werden neue Kirchvorsteher in ganz Sachsen gewählt. Menschen wollen sich nach wie vor investieren für ihre Kirche vor Ort. Viele Punkte stehen oft auf der Tagesordnung der einzelnen Sitzungen. Bau von Kirchen, Personalfragen usw., aber auch die Frage, wie wir für die Menschen in unserem Ort da sein und mit ihnen in Verbindung kommen können, damit wir als Christen von der Hoffnung weitergeben in unsicheren Zeiten. Es gibt dazu unterschiedliche Wege und Mittel.

Ich wünsche uns, dass wir uns, die Kirchgemeinden, und die Menschen in den Orten, nicht aus dem Blick verlieren, sondern Wege für eine Begegnung zum gegenseitigen Nutzen finden können.

Es grüßt herzlich
Pfarrerin Ulrike Lange

Stillung des Sturms

„Jesus war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen.“, Markus-Evangelium 4, 38

Wir kennen die Geschichte von Jesus auf dem See Genezareth. Die See stürmt und tobt, die Jünger haben Todesangst. Die Wellen sind so hoch, dass sie Angst haben zu ertrinken. Das Boot füllt sich mehr und mehr mit Wasser und ist schon fast voll. Die Jünger versuchen, das Wasser auszuschöpfen, aber sie schaffen es nicht aus eigener Kraft.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, auf das zu blicken, was Jesus tut. Er schläft, seelenruhig, auf einem Kissen im hinteren Teil des Bootes.

„Jesus, bekommst du denn gar nicht mit, was hier los ist. Auch dein Leben ist in Gefahr, wenn wir sinken! Stört es dich denn gar nicht, dass wir umkommen.“

So riefen die Jünger und so möchte man ihm auch heutzutage manchmal zurufen.

Jesus ist nicht beunruhigt. Er schläft.

Auch die Wellen unseres Lebens schlagen hoch. Wir können immer mehr beobachten, wie unser Lebensboot ins Schwanken gerät. Nicht nur unser ganz persönliches Boot, auch global gesehen nehmen die Stürme immer mehr zu.

Am Anfang der „Coronapandemie“ hatten wir die Hoffnung: wenn wir uns an die Sicherheitsvorkehrungen halten und alles beachten, dann ist es vielleicht ganz schnell vorbei. Mittlerweile fragen wir uns: wie lange dauert diese Krise an? Wann haben wir sie überwunden, wie wird das möglich sein? Immer mehr Fragen tauchen auf, aber keiner kann eine Antwort geben.

Unser Lebensboot schwankt und die Stürme werden zunehmen! Die Bibel sagt es uns voraus. Welche Antworten können wir als Christen geben? Wir können nicht sagen, wie sich die Zukunft gestalten wird. Wir können nicht beschwichtigend sagen: „Es wird alles wieder gut, nächstes Jahr ist alles vorbei!“

Aber wir können zu Jesus rufen. Wir können uns an Jesus festhalten. Gerade in dieser Zeit ist es entscheidend wichtig, dass wir unsere Augen auf Jesus richten. Wenn wir auf den Sturm blicken, werden wir hinweg geweht von den Stürmen der Zeit. Aber wenn wir auf Jesus blicken, haben wir Sicherheit. Er ist der „Schalom“, er ist die Ruhe im Sturm. Alle anderen Sicherheiten werden weggeweht. Nur auf ihn sollen wir vertrauen. Als die Not der Jünger am größten ist, gebietet er dem Sturm, dass er aufhören soll. Sofort entstand eine große Stille.

Das ist in unserer Zeit entscheidend wichtig. Für uns persönlich, uns als Christen, die in die Gemeinde gehen. Aber nicht nur für uns. Auch für die Menschen, die um uns herum leben, in unseren Dörfern, für unsere Nachbarn und Arbeitskollegen. Auch für sie ist es so wichtig, dass sie um diesen sicheren Anker in unseren Zeiten wissen.

Machen wir uns wieder neu fest im Glauben an diesen Herrn unseres Lebens, damit wir seinen übernatürlichen Frieden und seine Ruhe erfahren dürfen!

Es grüßt mit einem herzlichen „Schalom“
Pfarrerin Ulrike Lange

Fortsetzung Geschichte in Geschichten

So gebe ich Dir jetzt auch sein heiliges Wort. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein.

Merkst Du´s nicht? Wie das Wort Dich auf die Höhe hebt und an die Seite stellt mit Deinem Gotte selber? Und von dieser Höhe aus wird Dein ganzes bisheriges Leben Dir wach und klar. Du verstehst es in seinen tiefsten Gründen und in seiner letzten Quelle. Mit seinen wechselnden Bildern zieht`s an Deinem inneren Auge vorüber. Du siehst alle die Stätten, an denen Du je geweilt in Freud und in Schmerz- und Du segnest sie. Du siehst alle die Menschen, die Dir begegneten und ein Gutes taten, tot und lebende, gegenwärtige und ferne – und Du dankst ihnen. Du siehst den einen, der durch Dein Leben hindurch schritt, dieses Lebens erster und letzter Regent, und Du betest an Deinen Gott.

Alle gute Gabe und alle vollkommende Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, wie wir ihn kennen und haben durch unsern Erlöser Jesus Christus.

Er schenkte das, was Dein Leben schmückte und beglückte, die sonnige Kindheit und Jugendzeit. Er stattete Dich reich aus mit Gaben des Geistes und Gemüts. Er führte Dich wunderbar und behütete Dich und rettete Dich hindurch durch die krachenden Wetter des Weltkriegs, durch schwere Verwundung, durch hundertfache Todesgefahr. Er sagte Dir´s damit, dass er Dich braucht, und mit Dir etwas erreichen will. Er war mit Dir, er wird mit Dir sein. Deine Hand in seiner Hand, darfst Du´s sprechen: Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein.

Kirche St. Andreas Gesau, Zeichnung von Bernd Schottstedt

Das täusche Dich nicht: Dein Beruf, der schönste der Erde, ist auch der umstrittenste. Umstritten jetzt gerade in dieser wogenden Zeit, in der die Geister immer schroffer sich scheiden. Wer es Dir sagen könnte, was an Kämpfen und Beschwerden Dir noch aufgehoben ist? Eine weise Liebe hat vor der Zukunft einen Vorhang gezogen und uns den Blick verwehrt. Und uns genügt´s zu wissen, dass wir nicht allein unsere Straße ziehen. Uns genügt´s zu wissen, Gott und ein Mann sind schon die Majorität über die ganze Welt. Uns genügt´s zu wissen, dass, wenn unsre Kraft nur Schwachheit ist, der Allmächtige doch den letzten Sieg behält! Mit ihm im Bunde rufst Du die Welt in die Schranken, rufst Du´s in die Zukunft, die unbekannte hinein:

Wer – wer mag wider uns sein, ist doch Gott für uns? Drei Worte, ein Strauß. Er verwelke nicht durch zwei Jahrtausende. Lass ihn frisch bleiben in Deinem Pfarrhaus, in Deiner Amtsstube, Deinem Herzen und Dir grünt der Frühling und lacht die Sonne und winkt der Segen. Es bleibt dabei:

Gott für Dich, Gott über Dir, Gott mit Dir.

Amen

Damit Endet die Predigt von Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Dr. Franz Költzsch (1861-1927) bei der Ordination seines Sohnes Gustav Friedrich Költzsch (1890-1957) am 2.3.1919 in der Gesauer St. Andreas Kirche.

Christiane Scheurer

1. Teil von „Geschichte in Geschichten“
2. Teil von „Geschichte in Geschichten“
3. Teil von „Geschichte in Geschichten“
4. Teil von „Geschichte in Geschichten“
5. Teil von „Geschichte in Geschichten“

Gott kennt uns durch und durch

Liebe Gemeinde!

Wie geht es uns damit, dass Gott uns durch und durch kennt und uns durchschaut, selbst unsere innersten Gedanken und Gefühle, geheime Sorgen oder Ängste, Wünsche, die kein anderer Mensch kennt?

Vor Menschen können wir so manches verbergen. Aber Gott kennt uns und unsere Herzen. Vielleicht mag diese Tatsache beunruhigen. Aber sie kann auch entlasten. Gott brauche ich nichts vormachen. Er kennt sowieso, wie es in meinem Innersten aussieht. An ihn kann ich mich so wenden, wie ich bin und ich kann in jeder Lebenslage vor ihn kommen, so wie ich bin.

Wie mag es in Ihren in den letzten Wochen ausgesehen haben? Die Corona- Krise hat unser Leben hier in Deutschland, aber auch auf der ganzen Welt verändert. Und das in kürzester Zeit. Aber: eine Krise, und dazu noch so eine gewaltige, die wir gerade erleben, hat auch immer eine Chance. Mir kommt es so vor, als ob uns eine kollektive Zwangspause verordnet wurde. Vor „Corona“ war einer der häufigsten Sätze, die ich hörte: „Ich habe keine Zeit“, oder von den Älteren die Aussage: „Unsere Kinder haben doch auch mit sich zu tun, da kann ich nicht immer noch kommen…“

Insofern können wir diese „Corona-Zwangspause“ auch als ganz neue Möglichkeit verstehen. Als eine Gelegenheit, in der wir viel weniger Ablenkung, Zerstreuung, Feste und Vergnügungen haben. Natürlich ist das auch hart und trifft manchen schwer. Aber ist es nicht auch eine Chance, manches Zusammensein im engsten Familienkreis, auch das Gefühl, Zeit zu haben, wieder ganz neu zu entdecken?

Die Juden feiern jeden Samstag den Schabbat. Sie feiern ihn als den Tag, den Gott uns Menschen gegeben hat, um zur Ruhe zu kommen und sich aus der Begegnung mit Gott die Kraft für die kommende Woche zu holen, die sie brauchen. Vielleicht haben auch Sie im Konfirmandenunterricht das 4. Gebot gelernt: „Du sollst den Feiertag heiligen“.

Mögen wir diese Zeit nutzen, um neu zu erfahren, wie es ist, Zeit für Gott in unserem Alltag zu haben! Möge diese Zeit dazu dienen, dass wir erfahren, wie hilfreich eine Zeit des „Schabbat“ in unserem Wochenrhythmus sein kann.

Herzliche Grüße und Schalom Pfarrerin
Ulrike Lange

Fortsetzung Geschichte in Geschichten

Vierter Teil der Predigt von Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Dr. Franz Költzsch (1861-1927) bei der Ordination seines Sohnes Gustav Friedrich Költzsch (1890-1957) am 2.3.1919 in der Gesauer St. Andreas Kirche.

… Und ein drittes Wort schon? Das errätst Du nicht. Aber es erzwingt sich den Eintritt in diese Stunde. Mein Wort dürfte ich es wohl im besonderem Sinne nennen.

Mein heiligstes Wort. Das Wort meiner eigenen Ordination. Wie ich Dich hier in Deinem ersten Ornat jetzt vor mir sehe, muss ich zurück denken an den Märztag vor 32 Jahren, an dem ich im Dom zu Freiberg, meiner Ordination harrend, stand. Ich zitterte vor Erregung und Bangigkeit.

Da brachte mir die Ruhe und den Frieden und den getrosten Mut das Wort, mit dem mich mein damaliger Superintendent ordinierte, das Epistelwort damals von Sonntag Judica:

„Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein.“, Römer 8,31

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

Zur Großmacht in meinem Leben ward dies Wort. Zum Gottesengel, der mit mir ging und schirmend und segnend seine Hand über mir aufhob. In allen großen Stunden begegnete es mir. Ich hatte entdeckt, dass es der Wahlspruch meines Philipp Melanchthon, des Reformators, gewesen.

Zu seinem 400. Geburtstage (16.0 2.1897, Anmerkung C.S.) predigte ich es den Tausenden in der Kreuzkirche. Und am Sonntag darauf, als eben am Geburtstag Melanchthons die Kreuzkirche (der Dresdner Kirchbau wurde in seiner Geschichte fünfmal zerstört, zuletzt im Zweiten Weltkrieg, Anmerkung C.S.) in Flammen aufgegangen war, der heimatlos gewordenen, verstörten, weinenden Gemeinde dasselbe Wort wieder, aber nun wie ein ganz neues.

Der Weltkrieg brach aus. Der große Buß- und Bettag war da. Und siehe, als Losungswort war gegeben Römer 8,31. Wie hat das die zweimal Sechstausend, die sich an jenem Tag in der Kreuzkirche versammelten, erschüttert, gebeugt, erquickt, gehoben, getröstet. Manchem Brautpaare schrieb ich´s in die Bibel, manchem Konfirmanden auf seinen Schein, manchem Gemeindeglied auf mein Bild. Mir selber immer wieder tief hinein ins eigne Herz. Und aus diesem inneren Heiligtum ziehe ich es jetzt empor. Du weißt, für Dich und deinen Bruder bin ich alles hinzugeben gern bereit.

Fortsetzung folgt …

(aus der Ordinationspredigt für seinen Sohn von Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Költzsch)

Christiane Scheurer

1. Teil von „Geschichte in Geschichten“
2. Teil von „Geschichte in Geschichten“
3. Teil von „Geschichte in Geschichten“
4. Teil von „Geschichte in Geschichten“
5. Teil von „Geschichte in Geschichten“

Ich bin bei euch alle Tage

Liebe Gemeindeglieder, liebe Schwestern und Brüder!

Die Corona-Epedemie bewegt uns alle und die letzte Woche hat wohl jeden überrollt. Die Ereignisse haben sich förmlich überschlagen. Wohl jeder von uns wird Befürchtungen und bange Gefühle haben, weil keiner absehen kann, wie sich die Lage entwickelt und was sie für Folgen für unser Land, unsere Wirtschaft, unsere Kirchen, unseren Glauben und auch für jeden persönlich haben wird. Und ich denke, es ist normal, dass wir Angst haben oder besorgt sind, und wir dürfen uns das auch als Christen eingestehen. Allerdings können wir uns in solchen Zeiten, die wohl die wenigsten so erlebt haben, auf die Worte der Bibel stützen. Unser Herr Jesus Christus hat uns zugesagt:

„Denn siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“. (Matthäus 28,20)

An diese Zusage wollen wir uns halten und darauf stützen. Jesus wird bei uns sein und uns begleiten, wenn wir ihn im Gebet darum bitten.

Darum werden wir als Haupt- und Ehrenamtliche in unserem Schwesterkirchverhältnis Glauchau, soweit uns das möglich sein wird, Ansprechpartner bleiben und die Kirchen offen halten für Gebet, Andacht und Fürbitte.

Nun sind aber die aktuellen Beschlüsse unseres Landeskirchenamtes gefasst, in Übereinstimmung mit der Allgemeinverfügung des Sächsischen Staatsministeriums vom 18.03.2020. Darin heißt es: „Für den Publikumsverkehr geschlossen sind u.a. Zusammenkünfte in Kirchen…“. Wir werden bis zum 20.04.2020 auf Gottesdienste verzichten.

Wir haben eine Gebetskette gebildet und es beten zurzeit viele Menschen aus unserer Region zu verschiedenen Zeiten. Hier nun meine Bitte: nutzen wir die Zeit, die wir nun verstärkt zu Hause verbringen und wo viele Freizeitaktivitäten und Reisen nicht mehr stattfinden für Gebet, Bibellesen und die Hinwendung zu unserem christlichen Glauben.

Bitte suchen Sie das Gespräch mit mir oder einem ehrenamtlichen Mitarbeiter unserer Kirchgemeinde, wenn Sie die derzeitige Situation zu sehr bedrängt oder beschäftigt. Bitte wenden Sie sich auch an mich oder die Pfarrämter, wenn Sie Hilfe beim Einkauf oder zur Unterstützung bei einer Quarantäne brauchen. Wir als Kirchgemeinde werden uns um Hilfe (sofern es uns möglich ist) bemühen und wollen Sie nicht alleine lassen!

Ich wünsche uns Gottes Segen, Schutz und Begleitung! Pfarrerin Ulrike Lange

Fortsetzung Geschichte in Geschichten

Am 2.3.1919 hielt Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Dr. Franz Költzsch (1861-1927) bei der Ordination seines Sohnes Gustav Friedrich Költzsch(1890-1957) in der St.Andreas Kirche Gesau diese Predigt. Im Mai 2019 meldete sich die Tochter des langjährigen Zwickauer Superintendenten und Ehrenbürgers der Stadt Zwickau Günther Mieth bei mir. Sie hatte im Nachlass ihres Vaters die erwähnte Predigt gefunden. So gelangte der 100 Jahre alte Schreibmaschinendurchschlag dieser Rede wieder nach Gesau. Heute folgt Teil 3 der Ordinationspredigt.

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

… Ein zweites Wort? Das ist die Epistel des heutigen Sonntags Estomihi, 1. Korinther 13: Diese Königin unter den Episteln, das hohe Lied der Liebe. Wie es anhebt: Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete, so wäre ich ein tönend Erz und eine klingende Schelle. Wie es als seine Mitte hat: Die Liebe höret nimmer auf. Wie es schließt: Glaube, Hoffnung, Liebe, aber die Liebe unter ihnen die Größte.

Es ist Dein großes Schriftkapitel schon immer gewesen, mein lieber Fritz. Von zarter Kindheit an war es Deine Überzeugung, die Menschen müssten sich lieben und in Liebe vertragen und verstehen, und in solcher gegenseitiger Liebe würden sie glücklich sein. Dafür hast Du Dich eingesetzt mit Deiner Person, Deinem Leben und Wesen, Deiner ganzen inneren und äußeren Kraft. In Deinem Elternhause – ich darf es einmal aussprechen in diesem feierlichen Augenblick – warst Du der unwandelbar Freundliche, Herzensgute, Hilfsbereite und wir, die Eltern und Dein Bruder, haben uns daran gefreut, wie man sich freut an Sonne und Frühling. Und in der Schule warst Du der Gleiche. Auf der Universität. Draußen im Feld- mit den Freunden und Kameraden jeden Bissen und jede Not teilend. Und wir haben uns gefreut, dass Dir auch durch Spott und Verkennung hindurch immer nur die Herzen zuflogen. Ich weiß es, mit Deinem Wesen wird Dirs auch in aller Zukunft gelingen. Viele haben die Liebe verlernt. Sie sind verbittert. Du lässt dich nicht irre machen. Gerade ein verirrtes Volk braucht doppelte Liebe. Und manche Menschen, die in ihrem Wesen und Treiben uns so unverständlich erscheinen, werden uns dann erst verständlich, wenn wir erfahren, dass sie niemals in ihrem Leben vielleicht wirkliche Liebe erfahren haben. Das Feld war Dir gezeigt, auf dem Du stehen, bauen, arbeiten und kämpfen sollst. Die Estomihi -Epistel reicht Dir das Werkzeug zum Bau, und die Waffe zum Kampf, die Liebe. Lass es Dein Wort heute von neuem wieder werden, das Sieghafte, Große; Glaube, Hoffnung, Liebe, aber die Liebe die Größte.

Fortsetzung folgt …

(aus der Ordinationspredigt für seinen Sohn von Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Költzsch)

Christiane Scheurer

1. Teil von „Geschichte in Geschichten“
2. Teil von „Geschichte in Geschichten“
3. Teil von „Geschichte in Geschichten“
4. Teil von „Geschichte in Geschichten“
5. Teil von „Geschichte in Geschichten“

Ich glaube, hilf meinem Unglauben

Liebe Gemeinde,

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“, Jahreslosung 2020 aus Markus 9,24

In der Jahreslosung geht es um Glauben und Unglauben. Mancher wird sich im Schrei des verzweifelten Vaters wiederfinden, von dem im Markusevangelium berichtet wird: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Sein Sohn ist mit einem dämonischen Geist belastet und wird immer wieder in lebensbedrohliche Situationen gebracht. Der Vater kommt mit dem Sohn zu den Schülern von Jesus und bittet um Hilfe, denn er hat schon viel von Jesus und seinen Wundern gehört. Doch Jesus ist nicht da, die Jünger können mit ihrem Gebet nichts ausrichten. Jesus ist mit drei seiner Schüler auf einem Berg und stößt erst zur Gruppe um Vater und Sohn hinzu, als dieser schon seine Hoffnung auf Hilfe verloren hat. Dennoch nimmt er all seinen Mut zusammen und bittet Jesus, dass er ihm hilft. Und genau das tut Jesus. Er heilt den Jungen und Vater und Sohn können am Ende frei von dieser Last und Belastung nach Hause gehen.

Der Begriff „Glaube“ oder „glauben“ wird unterschiedlich gefüllt. Man kann sagen: „Ich glaube, die nächsten Tage wird besseres Wetter“ oder: „Ich glaube, jetzt erinnere ich mich…“

Wenn wir vom Glauben an Gott sprechen, geht es um mehr als um ein „Vermuten“ oder ein „Für wahrscheinlich Halten“. Glauben an Gott heißt, sich Gott anvertrauen, heißt sein eigenes Leben auf dieses Fundament zu bauen.

Ist das zu viel verlangt? Ja, es ist schon viel verlangt, denn es hat mit meinem ganzen Leben zu tun. Der Glaube an Gott hat mit meinem Alltag, meinen Werten und Zielen zu tun. Mein Leben gestalte ich nach den Geboten und Verheißungen Gottes. Und nein, es ist nicht zu viel verlangt, denn mehr als mein Vertrauen in Gott zu setzen und all das im Glauben anzunehmen, was er schon für mich getan hat, muss ich nicht tun. Gott hat schon alles getan. Der Schöpfer dieser Welt hat einen Weg gebahnt, auf dem Menschen wie du und ich, die mit Schuld und Egoismus geplagt sind, wieder zurück zu Ihm finden können. Jesus sagt von sich:

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen.“ , Johannes 14, 6-7 / Luther 2017

In diesem Sinn, dass dieses Jahr 2020 ein Jahr des Glaubens und Vertrauens wird, in dem wir fest auf Jesus schauen und alles von ihm erwarten, egal, wie die Umstände aussehen mögen,

Es grüßt herzlich
Pfarrerin Ulrike Lange

Der breite und der schmale Weg

Andacht zu Matthäus 7, 13+14 und 21

„Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und der Weg dorthin bequem. Viele Menschen gehen ihn. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dorthin schmal! Deshalb finden ihn nur wenige.

Nicht wer mich dauernd Herr nennt, wird in Gottes himmlisches Reich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“

Die Kirche lehrt: Wer getauft ist, bekommt den Heiligen Geist. Gott vergibt alle Sünden, wenn ihr ihn darum bittet. Aus Gnade schenkt er euch das ewige Leben.

Am Ende der Bergpredigt sagt Jesus etwas anderes. Nur wer Gottes Willen tut, kommt in den Himmel. Aus eigener Kraft schaffen wir das nicht. Wir wissen nicht immer, was Gottes Willen ist. Unsere menschliche Natur wehrt sich gegen Gottes Willen. Deshalb will uns Gott den Heiligen Geist schenken. Er will aber, dass wir ihn darum bitten. Was der Heilige Geist in uns bewirkt beschreibt Paulus in Galater 5, 17+22:

„Denn eigensüchtig wie unsere menschliche Natur ist, will sie immer das Gegenteil von dem, was der Geist Gottes will. Doch der Geist Gottes duldet unsere Selbstsucht nicht. Beide kämpfen gegeneinander, so dass ihr das Gute, das ihr doch eigentlich tun wollt, nicht ungehindert tun könnt.

Dagegen bringt der Geist Gottes in unserem Leben nur Gutes hervor: Liebe, Freude und Frieden; Geduld, Freundlichkeit und Güte; Treue, Nachsicht und Selbstbeherrschung.“

Jetzt müssen wir nur noch lernen, auf die Stimme des Heiligen Geistes zu hören. Der Heilige Geist bewirkt unsere Wiedergeburt. Übergebt euer Leben an Jesus und bittet Gott um den Heiligen Geist. Probiert es einfach aus. Ihr werdet staunen was passiert. Ich wünsche euch, dass Gott euer Gebet erhört.

Herzlich grüßt euch Frithjof Dittrich

William Booth (1829 bis 1912) der Gründer der Heilsarmee hat damals geschrieben:

„Ich bin der Überzeugung, dass die größten Gefahren, die dem kommenden Jahrhundert bevorstehen, folgende sind: eine Religion ohne den Heiligen Geist, eine Christenheit ohne Christus, eine Vergebung ohne Buße, eine Erlösung ohne Wiedergeburt, eine Politik ohne Gott und ein Himmel ohne Hölle.“

Fortsetzung Geschichte in Geschichten

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

… Deine Stadt? Die Gemeinde, die Dir heute überwiesen wird, die erste Gemeinde, die man die erste Liebe des Geistlichen nennt. Jedes Haus darin, jede Stube, jede Seele. Welch eine Fülle von Aufgaben und Verpflichtungen? Und es ist noch mehr. Blick von den Höhen, die den Ort umsäumen, hinaus ins weite Gelände. Sieh Dörfer und Städte in bunter Folge wechseln. Ahne und wisse dahinter immer neue Städte, immer neue Dörfer, sieh und versteh Dein ganzes großes Volk, Dein deutsches Vaterland. Gingen sie Dich nichts an, die da draußen wohnen? Du kennst sie nicht und sie sind doch mit Dir eines Blutes, eines Stammes, einer Sprache. Und ginge es Dich nichts an, das weite große Volk und Vaterland, dieses jetzt so tief unglückliche Land? Zertreten vom siegreichen übermütigen Feind, zerrissen in sich selbst, sich zerfleischend mit den Waffen des Hasses und Mordes. Wo alles in Trümmern liegt, wer wäre nicht berufen, mit zuarbeiten und wieder aufzubauen? Die Erwählten von Weimar, von wo ich komme, sind es; aber es ist ebenso noch, wenn ich hier diese Gemeinde sehe, der schlichteste Hausvater und die letzte Hausfrau. Und der Geistliche an seinem Platz. Sein Beruf in seiner ganzen Bedeutsamkeit ist in dieser Zeit wieder klar geworden vor aller Augen. Durch weite Kreise bricht sich mit elementarer Gewalt die Überzeugung hin durch: wo alles wankt und fällt, wo Throne sinken, Kronen zersplittern, Weltreiche zerschellen, da kann nur uns retten das eine, das auch im Wandel dieser Zeit wandellos bleibt: die Religion – die heute ihr Wort verkündigt und ihr Amt versieht, genau wie in den alten Tagen. Du, der Vertreter der christlichen Religion von Berufswegen, suche an Deinem Platz und mit Deiner Kraft der Stadt Bestes. Nicht bloß der Stadt Gutes, nicht bloß was Gemeinde und Volk vorwärts bringt im Handel und Wandel, was das Leben verbrämt und in das Leben hinein rankt große und kleine Annehmlichkeiten, nein, der Stadt Bestes. Und das Beste sind die inneren Werte, wie sie unverlierbar im Herzen verankert sind. Das Beste ist, was die Seele satt und froh und frei und selig macht. Das Beste ist, was, wie die Geschichte von Jahrtausenden es beweist, aus den Evangelium stammt, aus dem alten Evangelium vom Sünderheiland, der den Menschen mit Gott versöhnt.

Unter der alten Marschorder ging Dein Vater durch die Jahrzehnte. Nun ruft er dem neuen Kämpfer und Arbeiter in seine Spuren, eben mit dem Losungswort vom 2. März 1919:

„Suchet der Stadt Bestes“

Fortsetzung folgt …

(aus der Ordinationspredigt für seinen Sohn von Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Költzsch)

Christiane Scheurer

1. Teil von „Geschichte in Geschichten“
2. Teil von „Geschichte in Geschichten“
3. Teil von „Geschichte in Geschichten“
4. Teil von „Geschichte in Geschichten“
5. Teil von „Geschichte in Geschichten“