Gott kennt uns durch und durch

Liebe Gemeinde!

Wie geht es uns damit, dass Gott uns durch und durch kennt und uns durchschaut, selbst unsere innersten Gedanken und Gefühle, geheime Sorgen oder Ängste, Wünsche, die kein anderer Mensch kennt?

Vor Menschen können wir so manches verbergen. Aber Gott kennt uns und unsere Herzen. Vielleicht mag diese Tatsache beunruhigen. Aber sie kann auch entlasten. Gott brauche ich nichts vormachen. Er kennt sowieso, wie es in meinem Innersten aussieht. An ihn kann ich mich so wenden, wie ich bin und ich kann in jeder Lebenslage vor ihn kommen, so wie ich bin.

Wie mag es in Ihren in den letzten Wochen ausgesehen haben? Die Corona- Krise hat unser Leben hier in Deutschland, aber auch auf der ganzen Welt verändert. Und das in kürzester Zeit. Aber: eine Krise, und dazu noch so eine gewaltige, die wir gerade erleben, hat auch immer eine Chance. Mir kommt es so vor, als ob uns eine kollektive Zwangspause verordnet wurde. Vor „Corona“ war einer der häufigsten Sätze, die ich hörte: „Ich habe keine Zeit“, oder von den Älteren die Aussage: „Unsere Kinder haben doch auch mit sich zu tun, da kann ich nicht immer noch kommen…“

Insofern können wir diese „Corona-Zwangspause“ auch als ganz neue Möglichkeit verstehen. Als eine Gelegenheit, in der wir viel weniger Ablenkung, Zerstreuung, Feste und Vergnügungen haben. Natürlich ist das auch hart und trifft manchen schwer. Aber ist es nicht auch eine Chance, manches Zusammensein im engsten Familienkreis, auch das Gefühl, Zeit zu haben, wieder ganz neu zu entdecken?

Die Juden feiern jeden Samstag den Schabbat. Sie feiern ihn als den Tag, den Gott uns Menschen gegeben hat, um zur Ruhe zu kommen und sich aus der Begegnung mit Gott die Kraft für die kommende Woche zu holen, die sie brauchen. Vielleicht haben auch Sie im Konfirmandenunterricht das 4. Gebot gelernt: „Du sollst den Feiertag heiligen“.

Mögen wir diese Zeit nutzen, um neu zu erfahren, wie es ist, Zeit für Gott in unserem Alltag zu haben! Möge diese Zeit dazu dienen, dass wir erfahren, wie hilfreich eine Zeit des „Schabbat“ in unserem Wochenrhythmus sein kann.

Herzliche Grüße und Schalom Pfarrerin
Ulrike Lange

Fortsetzung Geschichte in Geschichten

Vierter Teil der Predigt von Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Dr. Franz Költzsch (1861-1927) bei der Ordination seines Sohnes Gustav Friedrich Költzsch (1890-1957) am 2.3.1919 in der Gesauer St. Andreas Kirche.

… Und ein drittes Wort schon? Das errätst Du nicht. Aber es erzwingt sich den Eintritt in diese Stunde. Mein Wort dürfte ich es wohl im besonderem Sinne nennen.

Mein heiligstes Wort. Das Wort meiner eigenen Ordination. Wie ich Dich hier in Deinem ersten Ornat jetzt vor mir sehe, muss ich zurück denken an den Märztag vor 32 Jahren, an dem ich im Dom zu Freiberg, meiner Ordination harrend, stand. Ich zitterte vor Erregung und Bangigkeit.

Da brachte mir die Ruhe und den Frieden und den getrosten Mut das Wort, mit dem mich mein damaliger Superintendent ordinierte, das Epistelwort damals von Sonntag Judica:

„Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein.“, Römer 8,31

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

Zur Großmacht in meinem Leben ward dies Wort. Zum Gottesengel, der mit mir ging und schirmend und segnend seine Hand über mir aufhob. In allen großen Stunden begegnete es mir. Ich hatte entdeckt, dass es der Wahlspruch meines Philipp Melanchthon, des Reformators, gewesen.

Zu seinem 400. Geburtstage (16.0 2.1897, Anmerkung C.S.) predigte ich es den Tausenden in der Kreuzkirche. Und am Sonntag darauf, als eben am Geburtstag Melanchthons die Kreuzkirche (der Dresdner Kirchbau wurde in seiner Geschichte fünfmal zerstört, zuletzt im Zweiten Weltkrieg, Anmerkung C.S.) in Flammen aufgegangen war, der heimatlos gewordenen, verstörten, weinenden Gemeinde dasselbe Wort wieder, aber nun wie ein ganz neues.

Der Weltkrieg brach aus. Der große Buß- und Bettag war da. Und siehe, als Losungswort war gegeben Römer 8,31. Wie hat das die zweimal Sechstausend, die sich an jenem Tag in der Kreuzkirche versammelten, erschüttert, gebeugt, erquickt, gehoben, getröstet. Manchem Brautpaare schrieb ich´s in die Bibel, manchem Konfirmanden auf seinen Schein, manchem Gemeindeglied auf mein Bild. Mir selber immer wieder tief hinein ins eigne Herz. Und aus diesem inneren Heiligtum ziehe ich es jetzt empor. Du weißt, für Dich und deinen Bruder bin ich alles hinzugeben gern bereit.

Fortsetzung folgt …

(aus der Ordinationspredigt für seinen Sohn von Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Költzsch)

Christiane Scheurer

1. Teil von „Geschichte in Geschichten“
2. Teil von „Geschichte in Geschichten“
3. Teil von „Geschichte in Geschichten“
4. Teil von „Geschichte in Geschichten“

Ich bin bei euch alle Tage

Liebe Gemeindeglieder, liebe Schwestern und Brüder!

Die Corona-Epedemie bewegt uns alle und die letzte Woche hat wohl jeden überrollt. Die Ereignisse haben sich förmlich überschlagen. Wohl jeder von uns wird Befürchtungen und bange Gefühle haben, weil keiner absehen kann, wie sich die Lage entwickelt und was sie für Folgen für unser Land, unsere Wirtschaft, unsere Kirchen, unseren Glauben und auch für jeden persönlich haben wird. Und ich denke, es ist normal, dass wir Angst haben oder besorgt sind, und wir dürfen uns das auch als Christen eingestehen. Allerdings können wir uns in solchen Zeiten, die wohl die wenigsten so erlebt haben, auf die Worte der Bibel stützen. Unser Herr Jesus Christus hat uns zugesagt:

„Denn siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“. (Matthäus 28,20)

An diese Zusage wollen wir uns halten und darauf stützen. Jesus wird bei uns sein und uns begleiten, wenn wir ihn im Gebet darum bitten.

Darum werden wir als Haupt- und Ehrenamtliche in unserem Schwesterkirchverhältnis Glauchau, soweit uns das möglich sein wird, Ansprechpartner bleiben und die Kirchen offen halten für Gebet, Andacht und Fürbitte.

Nun sind aber die aktuellen Beschlüsse unseres Landeskirchenamtes gefasst, in Übereinstimmung mit der Allgemeinverfügung des Sächsischen Staatsministeriums vom 18.03.2020. Darin heißt es: „Für den Publikumsverkehr geschlossen sind u.a. Zusammenkünfte in Kirchen…“. Wir werden bis zum 20.04.2020 auf Gottesdienste verzichten.

Wir haben eine Gebetskette gebildet und es beten zurzeit viele Menschen aus unserer Region zu verschiedenen Zeiten. Hier nun meine Bitte: nutzen wir die Zeit, die wir nun verstärkt zu Hause verbringen und wo viele Freizeitaktivitäten und Reisen nicht mehr stattfinden für Gebet, Bibellesen und die Hinwendung zu unserem christlichen Glauben.

Bitte suchen Sie das Gespräch mit mir oder einem ehrenamtlichen Mitarbeiter unserer Kirchgemeinde, wenn Sie die derzeitige Situation zu sehr bedrängt oder beschäftigt. Bitte wenden Sie sich auch an mich oder die Pfarrämter, wenn Sie Hilfe beim Einkauf oder zur Unterstützung bei einer Quarantäne brauchen. Wir als Kirchgemeinde werden uns um Hilfe (sofern es uns möglich ist) bemühen und wollen Sie nicht alleine lassen!

Ich wünsche uns Gottes Segen, Schutz und Begleitung! Pfarrerin Ulrike Lange

Fortsetzung Geschichte in Geschichten

Am 2.3.1919 hielt Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Dr. Franz Költzsch (1861-1927) bei der Ordination seines Sohnes Gustav Friedrich Költzsch(1890-1957) in der St.Andreas Kirche Gesau diese Predigt. Im Mai 2019 meldete sich die Tochter des langjährigen Zwickauer Superintendenten und Ehrenbürgers der Stadt Zwickau Günther Mieth bei mir. Sie hatte im Nachlass ihres Vaters die erwähnte Predigt gefunden. So gelangte der 100 Jahre alte Schreibmaschinendurchschlag dieser Rede wieder nach Gesau. Heute folgt Teil 3 der Ordinationspredigt.

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

… Ein zweites Wort? Das ist die Epistel des heutigen Sonntags Estomihi, 1. Korinther 13: Diese Königin unter den Episteln, das hohe Lied der Liebe. Wie es anhebt: Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete, so wäre ich ein tönend Erz und eine klingende Schelle. Wie es als seine Mitte hat: Die Liebe höret nimmer auf. Wie es schließt: Glaube, Hoffnung, Liebe, aber die Liebe unter ihnen die Größte.

Es ist Dein großes Schriftkapitel schon immer gewesen, mein lieber Fritz. Von zarter Kindheit an war es Deine Überzeugung, die Menschen müssten sich lieben und in Liebe vertragen und verstehen, und in solcher gegenseitiger Liebe würden sie glücklich sein. Dafür hast Du Dich eingesetzt mit Deiner Person, Deinem Leben und Wesen, Deiner ganzen inneren und äußeren Kraft. In Deinem Elternhause – ich darf es einmal aussprechen in diesem feierlichen Augenblick – warst Du der unwandelbar Freundliche, Herzensgute, Hilfsbereite und wir, die Eltern und Dein Bruder, haben uns daran gefreut, wie man sich freut an Sonne und Frühling. Und in der Schule warst Du der Gleiche. Auf der Universität. Draußen im Feld- mit den Freunden und Kameraden jeden Bissen und jede Not teilend. Und wir haben uns gefreut, dass Dir auch durch Spott und Verkennung hindurch immer nur die Herzen zuflogen. Ich weiß es, mit Deinem Wesen wird Dirs auch in aller Zukunft gelingen. Viele haben die Liebe verlernt. Sie sind verbittert. Du lässt dich nicht irre machen. Gerade ein verirrtes Volk braucht doppelte Liebe. Und manche Menschen, die in ihrem Wesen und Treiben uns so unverständlich erscheinen, werden uns dann erst verständlich, wenn wir erfahren, dass sie niemals in ihrem Leben vielleicht wirkliche Liebe erfahren haben. Das Feld war Dir gezeigt, auf dem Du stehen, bauen, arbeiten und kämpfen sollst. Die Estomihi -Epistel reicht Dir das Werkzeug zum Bau, und die Waffe zum Kampf, die Liebe. Lass es Dein Wort heute von neuem wieder werden, das Sieghafte, Große; Glaube, Hoffnung, Liebe, aber die Liebe die Größte.

Fortsetzung folgt …

(aus der Ordinationspredigt für seinen Sohn von Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Költzsch)

Christiane Scheurer

1. Teil von „Geschichte in Geschichten“
2. Teil von „Geschichte in Geschichten“
3. Teil von „Geschichte in Geschichten“
4. Teil von „Geschichte in Geschichten“

Ich glaube, hilf meinem Unglauben

Liebe Gemeinde,

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“, Jahreslosung 2020 aus Markus 9,24

In der Jahreslosung geht es um Glauben und Unglauben. Mancher wird sich im Schrei des verzweifelten Vaters wiederfinden, von dem im Markusevangelium berichtet wird: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Sein Sohn ist mit einem dämonischen Geist belastet und wird immer wieder in lebensbedrohliche Situationen gebracht. Der Vater kommt mit dem Sohn zu den Schülern von Jesus und bittet um Hilfe, denn er hat schon viel von Jesus und seinen Wundern gehört. Doch Jesus ist nicht da, die Jünger können mit ihrem Gebet nichts ausrichten. Jesus ist mit drei seiner Schüler auf einem Berg und stößt erst zur Gruppe um Vater und Sohn hinzu, als dieser schon seine Hoffnung auf Hilfe verloren hat. Dennoch nimmt er all seinen Mut zusammen und bittet Jesus, dass er ihm hilft. Und genau das tut Jesus. Er heilt den Jungen und Vater und Sohn können am Ende frei von dieser Last und Belastung nach Hause gehen.

Der Begriff „Glaube“ oder „glauben“ wird unterschiedlich gefüllt. Man kann sagen: „Ich glaube, die nächsten Tage wird besseres Wetter“ oder: „Ich glaube, jetzt erinnere ich mich…“

Wenn wir vom Glauben an Gott sprechen, geht es um mehr als um ein „Vermuten“ oder ein „Für wahrscheinlich Halten“. Glauben an Gott heißt, sich Gott anvertrauen, heißt sein eigenes Leben auf dieses Fundament zu bauen.

Ist das zu viel verlangt? Ja, es ist schon viel verlangt, denn es hat mit meinem ganzen Leben zu tun. Der Glaube an Gott hat mit meinem Alltag, meinen Werten und Zielen zu tun. Mein Leben gestalte ich nach den Geboten und Verheißungen Gottes. Und nein, es ist nicht zu viel verlangt, denn mehr als mein Vertrauen in Gott zu setzen und all das im Glauben anzunehmen, was er schon für mich getan hat, muss ich nicht tun. Gott hat schon alles getan. Der Schöpfer dieser Welt hat einen Weg gebahnt, auf dem Menschen wie du und ich, die mit Schuld und Egoismus geplagt sind, wieder zurück zu Ihm finden können. Jesus sagt von sich:

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen.“ , Johannes 14, 6-7 / Luther 2017

In diesem Sinn, dass dieses Jahr 2020 ein Jahr des Glaubens und Vertrauens wird, in dem wir fest auf Jesus schauen und alles von ihm erwarten, egal, wie die Umstände aussehen mögen,

Es grüßt herzlich
Pfarrerin Ulrike Lange

Der breite und der schmale Weg

Andacht zu Matthäus 7, 13+14 und 21

„Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und der Weg dorthin bequem. Viele Menschen gehen ihn. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dorthin schmal! Deshalb finden ihn nur wenige.

Nicht wer mich dauernd Herr nennt, wird in Gottes himmlisches Reich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“

Die Kirche lehrt: Wer getauft ist, bekommt den Heiligen Geist. Gott vergibt alle Sünden, wenn ihr ihn darum bittet. Aus Gnade schenkt er euch das ewige Leben.

Am Ende der Bergpredigt sagt Jesus etwas anderes. Nur wer Gottes Willen tut, kommt in den Himmel. Aus eigener Kraft schaffen wir das nicht. Wir wissen nicht immer, was Gottes Willen ist. Unsere menschliche Natur wehrt sich gegen Gottes Willen. Deshalb will uns Gott den Heiligen Geist schenken. Er will aber, dass wir ihn darum bitten. Was der Heilige Geist in uns bewirkt beschreibt Paulus in Galater 5, 17+22:

„Denn eigensüchtig wie unsere menschliche Natur ist, will sie immer das Gegenteil von dem, was der Geist Gottes will. Doch der Geist Gottes duldet unsere Selbstsucht nicht. Beide kämpfen gegeneinander, so dass ihr das Gute, das ihr doch eigentlich tun wollt, nicht ungehindert tun könnt.

Dagegen bringt der Geist Gottes in unserem Leben nur Gutes hervor: Liebe, Freude und Frieden; Geduld, Freundlichkeit und Güte; Treue, Nachsicht und Selbstbeherrschung.“

Jetzt müssen wir nur noch lernen, auf die Stimme des Heiligen Geistes zu hören. Der Heilige Geist bewirkt unsere Wiedergeburt. Übergebt euer Leben an Jesus und bittet Gott um den Heiligen Geist. Probiert es einfach aus. Ihr werdet staunen was passiert. Ich wünsche euch, dass Gott euer Gebet erhört.

Herzlich grüßt euch Frithjof Dittrich

William Booth (1829 bis 1912) der Gründer der Heilsarmee hat damals geschrieben:

„Ich bin der Überzeugung, dass die größten Gefahren, die dem kommenden Jahrhundert bevorstehen, folgende sind: eine Religion ohne den Heiligen Geist, eine Christenheit ohne Christus, eine Vergebung ohne Buße, eine Erlösung ohne Wiedergeburt, eine Politik ohne Gott und ein Himmel ohne Hölle.“

Fortsetzung Geschichte in Geschichten

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

… Deine Stadt? Die Gemeinde, die Dir heute überwiesen wird, die erste Gemeinde, die man die erste Liebe des Geistlichen nennt. Jedes Haus darin, jede Stube, jede Seele. Welch eine Fülle von Aufgaben und Verpflichtungen? Und es ist noch mehr. Blick von den Höhen, die den Ort umsäumen, hinaus ins weite Gelände. Sieh Dörfer und Städte in bunter Folge wechseln. Ahne und wisse dahinter immer neue Städte, immer neue Dörfer, sieh und versteh Dein ganzes großes Volk, Dein deutsches Vaterland. Gingen sie Dich nichts an, die da draußen wohnen? Du kennst sie nicht und sie sind doch mit Dir eines Blutes, eines Stammes, einer Sprache. Und ginge es Dich nichts an, das weite große Volk und Vaterland, dieses jetzt so tief unglückliche Land? Zertreten vom siegreichen übermütigen Feind, zerrissen in sich selbst, sich zerfleischend mit den Waffen des Hasses und Mordes. Wo alles in Trümmern liegt, wer wäre nicht berufen, mit zuarbeiten und wieder aufzubauen? Die Erwählten von Weimar, von wo ich komme, sind es; aber es ist ebenso noch, wenn ich hier diese Gemeinde sehe, der schlichteste Hausvater und die letzte Hausfrau. Und der Geistliche an seinem Platz. Sein Beruf in seiner ganzen Bedeutsamkeit ist in dieser Zeit wieder klar geworden vor aller Augen. Durch weite Kreise bricht sich mit elementarer Gewalt die Überzeugung hin durch: wo alles wankt und fällt, wo Throne sinken, Kronen zersplittern, Weltreiche zerschellen, da kann nur uns retten das eine, das auch im Wandel dieser Zeit wandellos bleibt: die Religion – die heute ihr Wort verkündigt und ihr Amt versieht, genau wie in den alten Tagen. Du, der Vertreter der christlichen Religion von Berufswegen, suche an Deinem Platz und mit Deiner Kraft der Stadt Bestes. Nicht bloß der Stadt Gutes, nicht bloß was Gemeinde und Volk vorwärts bringt im Handel und Wandel, was das Leben verbrämt und in das Leben hinein rankt große und kleine Annehmlichkeiten, nein, der Stadt Bestes. Und das Beste sind die inneren Werte, wie sie unverlierbar im Herzen verankert sind. Das Beste ist, was die Seele satt und froh und frei und selig macht. Das Beste ist, was, wie die Geschichte von Jahrtausenden es beweist, aus den Evangelium stammt, aus dem alten Evangelium vom Sünderheiland, der den Menschen mit Gott versöhnt.

Unter der alten Marschorder ging Dein Vater durch die Jahrzehnte. Nun ruft er dem neuen Kämpfer und Arbeiter in seine Spuren, eben mit dem Losungswort vom 2. März 1919:

„Suchet der Stadt Bestes“

Fortsetzung folgt …

(aus der Ordinationspredigt für seinen Sohn von Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Költzsch)

Christiane Scheurer

1. Teil von „Geschichte in Geschichten“
2. Teil von „Geschichte in Geschichten“
3. Teil von „Geschichte in Geschichten“
4. Teil von „Geschichte in Geschichten“

Geschichte in Geschichten

Vor 100 Jahren, am 2.3.1919, wurde in der St. Andreas-Kirche Gesau ein junger Mann zum Pfarrer ordiniert. Ähnliches erlebte, fast auf den Tag genau, 99 Jahre später eine zahlreich versammelte Gemeinde wieder in der Gesauer Kirche. Was ist daran so besonderes?

  1. Eine Ordination kommt in einer Kirchgemeinde selten vor, denn Pfarrstellen werden oft mit schon ordinierten Pfarrern, Pfarrerinnen wieder besetzt.
  2. Am 2.3.1919 ordinierte Oberkonsistorialrat Sup. Dr. Költzsch seinen Sohn Friedrich Költzsch. Wie oft es so etwas in der sächsischen Kirchengeschichte gegeben hat, ist mir unbekannt.
  3. Wann bekommt man schon ein 100jähriges Dokument angeboten, dessen Inhalt noch heute aktuell ist?

Mich hat die Wortwahl des Vater an den Sohn beeindruckt. Unsere Sprache hat sich verändert, dennoch lohnt sich das Lesen dieser Predigt. Versuchen Sie es!

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

Kirche St. Andreas in Gesau um 1920

„… Was sind die Worte dieser Stunde?

Ein erstes – das Losungswort für den heutigen 2. März 1919, das aus dem Propheten Jeremia: Suchet der Stadt Bestes. Aus dem Losungsbüchelein der Brüdergemeinde haben wir daheim unsere Hausandachten gehalten – unterm Kreuzturm, am alten Familientisch.

Aus ihm hoben wir uns manchmal Licht und Trost und Kraft und Rat für den einzelnen Tag. Und manchmal war uns das Wort des Tages wie ein Geschenk Gottes. Nun berührt´s Dich in der Tiefe Deiner Seele, dass gerade für heute, Deinen großen Tag, als Losungswort Dir gegeben ist: Suchet der Stadt Bestes. Du weißt, mit dem Wort ward ich vor 27 ½ Jahren in mein erstes Amt an der Kreuzkirche in Dresden eingewiesen. Es wies mich hinein in das Straßennetz und Häusermeer und Massengewühl der Großstadt. Es wies mich hinein in die gerade damals aufbrechenden sozialen Kämpfe. Es legte mir auf Herz und Gewissen besonders das arbeitende Volk, aber es spornte mich, im Ringen um die Volksseele einzusetzen, meine beste Kraft. Und wie eine Fügung war mir´s, als 11 Jahre später für meinen letzten Abendgottesdienst in der Kreuzkirche, für wehmütige Abschiedsstunde, als das Sonntagswort sich darbot, der 122. Psalm: Jerusalem ich will dein Bestes suchen. Als ob ich von dem einen Wort nicht loskommen dürfte – ich kam auch nicht von ihm los. Und heute, da es der Tag mir als Losungswort zuwirft, gebe ich es an Dich weiter. Es ist die eine große Instruktion, die mit dem einzigen Kapitel: Suchet der Stadt Bestes.“

Fortsetzung folgt …

Christiane Scheurer

1. Teil von „Geschichte in Geschichten“
2. Teil von „Geschichte in Geschichten“
3. Teil von „Geschichte in Geschichten“
4. Teil von „Geschichte in Geschichten“

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“
Die Bibel, Hiob 19,25

Wenn man diese Worte liest, ohne die Bibelstelle zu beachten, denkt man, sie wären von einem Apostel oder Jünger Jesu im Neuen Testament gesprochen mit Blick auf Jesus Christus. Aber es sind Worte, die ein Mann schon lange vor Christi Geburt und Tod am Kreuz ausspricht. Eine erstaunliche Aussage, eine Verheißung, die schon in die Zukunft weist und prophetisch den ankündigt, der viele Jahre später geboren werden wird.

Die Erzählung vom Leben und Geschick des Hiob ist spannend und enthält Fragen nach der Ursache vom Leid und dem rechten Umgang damit.

Hiob ist ein Mann, der rechtschaffen und gottesfürchtig ist und an dem Gott seine Freude hat. Er hat viele Kinder und einen großen Besitz, er ist gesund und es geht ihm gut. Das missfällt dem Satan und er geht zu Gott und redet mit ihm. Hiob glaube ja nur an Gott, weil es ihm so gut geht.

„Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: Was gilts, er wird dir ins Angesicht absagen.“
Die Bibel, Hiob 1, 11

Hiob wird nun nach und nach alles genommen, was ihm in seinem Leben etwas bedeutet. Immer wieder kommen Reiter, um ihm eine neue Nachricht von einem Unglück zu bringen, die „Hiobsbotschaft“, die wir auch bis heute noch kennen und die bis heute der Ausdruck ist für eine sehr schlimme Nachricht.

Hiob erlebt viel Leid. Er klagt, er weint, er sitzt im Staub, in der Asche und wünscht sich, niemals geboren zu sein. Aber er hält an Gott fest. Mitten im Leid spricht er die Worte des Glaubens:

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

Er hält am Glauben fest, er vertraut weiterhin auf Gott.

Bis heute, durch die Jahrhunderte hindurch, ist es immer wieder eine große Herausforderung, durch Leid, Krankheit und eigenen Schmerz weiter auf Gott zu vertrauen. Mancher hat sich durch einen schweren Schicksalsschlag von Gott losgesagt: „An einen Gott, der so etwas zulässt, kann ich nicht mehr glauben.“ Das ist verständlich, und tröstende und mitfühlende Worte von Menschen, die es gut meinen, helfen da meist nicht. Die Worte, die man hier sagen kann, greifen oft zu kurz.

Aber gerade im Festhalten am Glauben, gerade jetzt, in dieser schwierigen Situation, gerade jetzt bietet Gott seine Hilfe an. Schon mancher hat Gottes Trost, seinen Frieden und das Getragen sein durch ihn in schweren Zeiten in besonders intensiver Weise erfahren. Es ist ein Trost, den Menschen nicht geben können, aber den Gott geben kann.

Es grüßt herzlich Pfarrerin Ulrike Lange

Jesus nachfolgen

Liebe Gemeinde,

den Monatsspruch für September (Matthäus 16,26) versteht man erst im Zusammenhang von Vers 24 bis 27.

„Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? Denn es wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun. Wahrlich, ich sage euch: Es sind etliche unter denen, die hier stehen, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.“ Matthäus 16, 24-27

Wer zu mir gehören will, darf nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen. Denn wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich aufgibt, der wird es für immer gewinnen. Was hat ein Mensch davon, wenn ihm die ganze Welt zufällt, er selbst dabei seine Seele verliert? Er kann sie ja nicht wieder zurückkaufen! Denn der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und jedem das geben, was er für seine Taten verdient.

Hier sagt uns Jesus deutlich, was er von uns erwartet. Wir müssen unser altes Leben aufgeben und so leben, wie er es uns vorgemacht hat. Jesus legt großen Wert darauf, dass wir uns vor den Menschen zu ihm bekennen. An unserem Verhalten sollen die Menschen merken, dass wir zu ihm gehören. Manchmal heißt das nein sagen zu den Verlockungen der Welt. Gutes tun wird zur Pflicht. Wenn man das allein schaffen will, verliert man irgendwann die Lust. Man wird träge und geht dem Ärger aus dem Weg.

Mir ging das auch so. Ein Gottesdienst alle 2 Wochen reicht, keine Veranstaltungen in der Woche und in der Bibel wird nicht mehr gelesen. Da hörte ich in einer der letzten Predigten von Matthias Franke:

„Es ist ganz wichtig, dass ihr den Heiligen Geist bekommt. Ihr müsst nur darum beten. Das war mir neu, dass man den Heiligen Geist auch durch beten bekommt. Ihr findet das in Lukas 3, 21+22 und Lukas 11, 13: ‚Wieviel mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist schenken, die ihn darum bitten.‘ „

Warum ich das erst 2 Jahre später getan habe, weiß ich selbst nicht. Wir können beten: Gott ich bitte Dich im Namen Jesu schenk mir Deinen Heiligen Geist und verändere mich.

Ihr könnt das auch beten, wenn ihr den Heiligen Geist schon habt. Wenn der Heilige Geist kommt, merkt man das an der Hormonumstellung wie bei einer Schwangerschaft. Man bekommt Freude, Mut und Begeisterung. Wir bekommen gute Ideen und die richtigen Worte. Zusammen mit dem Heiligen Geist können wir unser altes Ich besiegen.

Wenn wir jetzt die Evangelien lesen, verstehen wir, was Jesus gesagt hat. Um die Geistesgaben können wir beten. Der Heilige Geist treibt uns an und gibt und Aufträge. Jetzt macht es Freude Jesus nachzufolgen. Ein Gespräch mit unserer Pfarrerin Ulrike Lange hat mir sehr geholfen.

Herzliche Grüße
Frithjof Dittrich